EFIM in Turin

La Stampa
Giangiorgio Satragni

10. Oktober 1999

Die intuitive Musik von Stockhausen findet Anhänger in Thüringen

Von Giangiorgio Satragni

Aus Weimar kommt diese Woche ein recht ungewöhnlicher Vorschlag zur zeitgenössischen Musik. Am Dienstag, dem 12. Oktober um 21 Uhr, ist im Piccolo Regio das Ensemble für Intuitive Musik zu Gast bei Antidogma Musica. Seit 1980 – also noch zur Zeit der DDR, die die Meinungsfreiheit einschränkte – entwickelt das Ensemble in der thüringischen Stadt das Konzept der intuitiven Musik, wie es im Westen Deutschlands von Karlheinz Stockhausen gelehrt wurde.

Es ist bekannt, dass Stockhausens radikaler Einfluss neue Wege in der Musik des 20. Jahrhunderts eröffnete. Viele junge Komponisten übernahmen seine Herangehensweisen, und er wurde für sie zu einem verehrten Meister. Vor dreißig Jahren begann Stockhausen, Musiker mit Texten zu konfrontieren, die ihre Vorstellungskraft anregen sollten, sodass sie die Komposition mit einer neuen Verantwortung gegenüber dem kreativen Akt angingen.

Wie sich diese intuitive Musik heute in klangliche Realität verwandelt, wird am Dienstag deutlich – mit Daniel Hoffmann (Trompete), Matthias von Hintzenstern (Violoncello), Hans Tutschku (Synthesizer, Sampler, Live-Elektronik) und Michael von Hintzenstern (Klavier, Orgel, Synthesizer). Zwei Werke im Programm sind Kollektivkompositionen: „Annäherung“ und „Begegnungen“.

Während „Leuchtende Splitter“ (Leuchtende Splitter) von dem zweiten Hintzenstern stammt, ist „human-space-factory“ von Tutschku.

Die Anwesenheit des Ensemble für Intuitive Musik in Turin – in Zusammenarbeit mit dem verdienstvollen und geretteten Goethe-Institut – ist auch durch die Begegnung mit der bildenden Kunst von Marco Gastini motiviert, unter der Schirmherrschaft der Galleria Martano. Gastini stellte im vergangenen Jahr in Weimar ein Werk mit dem Titel „Partitur für acht Zeiten“ aus, das später in einer verkleinerten Version im Foyer des Regio in Zusammenarbeit mit der Galerie für moderne Kunst gezeigt wurde.

Das Ensemble – kein Neuling in synästhetischen Erfahrungen, also der Verschmelzung von Sinneseindrücken verschiedener Künste – komponierte Musik für jene Weimarer Ausstellung. Diese Stücke sind nun auf einer CD vereint, deren Hülle eine verkleinerte Reproduktion von Gastinis Werk ziert.

Die Präsentation (nur auf Einladung) wird am Donnerstag mit einem kurzen Konzert des Ensembles im Atelier des Künstlers stattfinden.