Stereoversion der ersten Stunde der Installation im Kirchenschiff
Stereoversion der zweiten Stunde der Installation im Kirchenschiff
Teil 1 – Der unsichtbare Glockenturm – Im Freien
Das erste Segment der Installation ist als öffentliche Klangerfahrung für Passanten konzipiert. Im Nordturm der Kirche Gesù werden Lautsprecher stündlich das Läuten von Glocken übertragen. Durch die Installation eines unsichtbaren Glockenturms an einem Ort, an dem es keinen gibt, weckt das Projekt Neugier auf zwei Ebenen. Zunächst nehmen die Menschen die unerwarteten „Glocken“ wahr. Einige Tage später erkennen sie jedoch, dass sich hinter diesen „neuen Glocken“ eine vielschichtige Klanglandschaft verbirgt, die Töne ferner Kulturen vereint.
Seit jeher begleiten Glocken bedeutende Ereignisse – religiöse Feierlichkeiten, Warnsignale, Trauerfälle und mehr. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der akustischen Identität von Städten und Ausdruck ihrer kulturellen Vielfalt. Diese Installation präsentiert Aufnahmen von Glocken und Geläuten aus aller Welt und lädt die Zuhörer zu einer klanglichen Reise ein, die geografische und kulturelle Grenzen überschreitet. Die Platzierung der Installation außerhalb der Kirche schafft eine Brücke zu anderen Orten und regt dazu an, über Begegnungen mit dem Unbekannten und den Wert kulturellen Austauschs nachzudenken.
Dieser Teil der Installation wurde bereits gezeigt in:
Jena, Weimar, Posterstein, Deutschland
Montbéliard, Frankreich
Florenz, Italien
Cambridge, Massachusetts, USA
Teil 2 – Die Stimmen im Kirchenschiff – Innenraum
Die zweite Installation entfaltet sich im weitläufigen Kirchenschiff der Église du Gesù. Zahlreiche Lautsprecher sind im Raum verteilt und schaffen eine immersive Klangumgebung. Stimmen – gesprochen und gesungen, im Dialog miteinander – hallen durch die Kirche und verweben sich zu einem klanglichen Gefüge, das Grenzen überwindet.
Auf mehreren Kontinenten aufgenommen, laden diese Stimmen zu einer interkulturellen Reise ein. Wir folgen ihnen auf ihren Wegen, durch ihre Gebete, Gesänge, Diskussionen und Gespräche und tauchen ein in die Vielfalt menschlicher Ausdrucksformen über verschiedene Kulturen und Traditionen hinweg.
Teil 3 – Der imaginäre Dialog – Innenraum
Die dritte Installation bietet eine intimere und persönlichere Erfahrung. In einem Beichtstuhl hat der Künstler zwei interaktive Räume mit Mikrofonen eingerichtet. Besucher können den Beichtstuhl betreten, als würden sie sich einem Moment der Reflexion oder der Beichte hingeben. In diesem abgeschlossenen Raum erklingen Stimmen aus verschiedenen Religionen und Kulturen und verweben sich zu einer facettenreichen Klanglandschaft.
Wenn die Besucher in das Mikrofon sprechen, wird ihre eigene Stimme verändert und mit den vorab aufgenommenen Stimmen verwoben, wodurch eine sich ständig weiterentwickelnde Klangwelt entsteht. Dieses interaktive Element lädt die Teilnehmer ein, sich auf einen imaginären Dialog einzulassen und ihre eigene Präsenz mit den Stimmen anderer zu vereinen. Durch diese gemeinsame Hörerfahrung schafft die Installation einen Moment der Verbindung – zwischen Individuen, Kulturen und verborgenen Erzählungen.
Radiosendung "Je l'ai vu à la radio"
Caroline Gagnon über Ailleur-Intérieur
« … Wer Vorbehalte hat (oder gar allergisch) gegenüber dieser Art von Musik, die für unser Jahrhundert so essenziell und von einer brennenden zeitgenössischen Vision erfüllt ist, sollte unbedingt Tutschku live erleben. Dabei eröffnet sich eine neue Art, akusmatische Musik zu denken und zu gestalten. Tutschku beginnt damit, einen klanglichen Raum zu erschaffen … Die Perspektive spricht, die Stille wird beredt, und sowohl die Geste als auch die Komposition erweisen sich als kraftvolle Mittel zur Sinnvermittlung … »
LE DEVOIR, 2001, F. Tousignant