(re)calling the birds

für Violoncello und Elektronik
Year: 2026
Duration: 14:00 min
Studio: Harvard University Studios for Electroacoustic Composition
Dedicated to: William Teixeira
Date of first performance: März 25, 2026
By: William Teixeira
Place: Federal University of Mato Grosso do Sul

Im Jahr 2023 erlebte ich eine seltene Erfahrung unmittelbarer Natur im Pantanal in Brasilien. In der Morgen- und Abenddämmerung lauschten wir den langsamen Übergängen zwischen Nacht und Tag: Vogelrufe und Tierstimmen, die aus unterschiedlichen Entfernungen auftauchten und sich in einem Raum von eindrucksvoller Tiefe überlagerten.

Dieses Werk versucht nicht, diese Landschaft nachzubilden. Es entfaltet sich vielmehr in Akten des Erinnerns und Rufens — Fragmente, die ins Gedächtnis treten, heraufbeschworene Präsenzen, Klänge, die in einem erweiterten Zeitempfinden erscheinen und wieder vergehen.

Das Violoncello imitiert keinen Vogelgesang. Seine Motive sind neu komponierte Figuren — eigenständige Klangwesen. Im Gegenüber zu Feldaufnahmen aus dem Pantanal tritt das Instrument in einen fragilen Dialog mit einer lebendigen akustischen Umwelt. Mitunter verschmilzt es mit ihr, mitunter steht es allein — eine solitäre, verletzliche Stimme, die uns an unseren Einfluss auf die Umwelt erinnert. In manchen Momenten verwandelt sich der Klang des Cellos in einen Aufschrei: nicht die Darstellung eines bestimmten Vogels, sondern eine intensivierte menschliche Geste innerhalb einer zunehmend bedrohten Klangwelt.

Electronics

Die Elektronik für dieses Werk ist zweikanalig (Stereo) angelegt und wurde als Max/MSP-Projekt für macOS realisiert. Eine Windows-Version ist derzeit nicht verfügbar. Der Cellist löst die im Notentext angegebenen Ereignisse durch Betätigen eines MIDI-Sustainpedals aus. Die Komposition basiert ausschließlich auf der Wiedergabe von Klangdateien; eine Live-Bearbeitung des Cellos findet nicht statt.

Dennoch sollte das Cello über dieselben Lautsprecher wie die Elektronik verstärkt werden. Diese Lautsprecher sollten in unmittelbarer Nähe des Interpreten positioniert werden, um einen kompakten Klangraum zu erzeugen. In akustisch trockenen Räumen bietet das Max-Projekt die Möglichkeit, dem Mikrofonsignal Hall hinzuzufügen.

Proben mit William Teixeira, März 2026