Interpretation elektroakustischer Musik

Die Interpretation von Stereo- und Mehrkanal-elektroakustischen Werken durch eine erfahrene und geschulte Person am Mischpult bereichert sowohl das räumliche als auch das emotionale Erlebnis der Musik.

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Dresden, 2023
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Paris, 2000

Mehrkanal-Lautsprechersysteme wurden in den 1970er Jahren entwickelt und haben sich seither in verschiedene Formen weiterentwickelt, die auf spezifische interpretatorische Anforderungen zugeschnitten sind – von Lautsprecherorchestern, bei denen die meisten Lautsprecher auf der Bühne platziert sind, bis hin zu vollständig immersiven Surround-Systemen wie Ambisonics und Wellenfeldsynthese.

Der Begriff Orchester ist nicht nur aufgrund der räumlichen Anordnung der Lautsprecher-Instrumente passend, sondern auch wegen der unterschiedlichen Register und klanglichen Eigenschaften jedes einzelnen Lautsprechers. Die Konfiguration des Acousmoniums ist jedoch nicht festgelegt und kann für jede Aufführung angepasst werden.

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Hydra loudspeaker orchestra, Cambridge MA, 2012
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EMPAC, Troy, Spatial Audio Summer Workshop, 2017

Diese Flexibilität ermöglicht eine fortlaufende Experimentation mit verschiedenen Lautsprecherkonfigurationen. In den letzten 30 Jahren haben unzählige Konzerte sowohl die Stärken als auch die Grenzen verschiedener Setups aufgezeigt – doch wie lassen sich diese objektiv bewerten?

Jeder Komponist hat eine ideale Vorstellung davon, wie sein Werk klingen soll. Doch basiert dieses Ideal auf dem akustischen Bild des Studios, in dem das Stück entstanden ist, oder handelt es sich um eine imaginäre, unerreichbare Klangvision? Wird es von bestimmten technischen Standards geprägt – etwa von der Qualität der Tonbandgeräte, den einzigartigen Eigenschaften einzelner Studios oder den für die Wiedergabe verwendeten Lautsprechern?

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Participant, Boston, 2010
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EMPAC wave field system panels

Verändert sich dieses Ideal im Laufe der ästhetischen Entwicklung des Komponisten? Handelt es sich um ein symmetrisches Klangbild oder um eine bewusst gewählte Asymmetrie? (Letztere kann Vorteile bieten, da Symmetrie nur einem kleinen Teil des Publikums in der zentralen Hörposition zugutekommt.) So wie es unzählige Ansätze in der Klangkomposition gibt, existieren ebenso viele Perspektiven auf die Gestaltung eines Lautsprecherorchesters.