Workshop zum Hören unserer Umwelt.
Wir können unsere Augen schließen, aber unsere Ohren bleiben offen. Dennoch übersehen wir oft die unzähligen Signale, die uns die akustische Welt bietet. Häufig blenden wir sie aus, indem wir Kopfhörer tragen und uns in eine andere Klangwelt versetzen als die, die uns umgibt.
Dieser Workshop zielt darauf ab, unser Bewusstsein für ein Sinneswerkzeug zu schärfen, das wir oft als selbstverständlich ansehen. Durch das Verfeinern der auditiven Wahrnehmung entwickeln die Teilnehmenden eine tiefere Verbindung zu ihrer Umgebung.
Darüber hinaus wird der Workshop unsere Rolle bei der Gestaltung einer respektvollen akustischen Umwelt beleuchten.
Erster Tag – 3 Stunden
Wir gehen etwa 10–15 Minuten vom Unterrichtsraum zu einem Außenbereich, der möglichst wenig von Verkehrslärm beeinflusst wird. Jede*r Teilnehmende soll sich bewusst auf die Klangumgebung konzentrieren.
Nach der Ankunft beschreibt jede*r, welches klangliche Element am auffälligsten war oder was sie/ihn besonders überrascht hat.
Hörübung 1 (zwei Minuten):
Während wir als Gruppe zusammensitzen, nimmt jede*r Teilnehmende handschriftlich alle akustischen Elemente in der Reihenfolge ihres Auftretens wahr und notiert diese.
Anschließend teilen wir unsere Beobachtungen und versuchen, eine möglichst vollständige Beschreibung der akustischen Umgebung zusammenzustellen.
Hörübung 2 (fünf Minuten):
Während wir als Gruppe zusammensitzen, versucht jede*r Teilnehmende, sich alle akustischen Signale während der fünfminütigen Periode zu merken – ohne Notizen zu machen.
Gleichzeitig nehmen wir die Klangszene mit einem tragbaren Aufnahmegerät auf.
Nach Ablauf der fünf Minuten schreiben die Teilnehmenden alle Elemente auf, an die sie sich erinnern können, in der Reihenfolge ihres Auftretens.
Auf dem Rückweg zum Unterrichtsraum sollen die Teilnehmenden bewusst die Geräusche ihres eigenen Körpers im Verhältnis zu den Umgebungsgeräuschen wahrnehmen. Zudem werden sie aufgefordert, das leiseste Umweltgeräusch zu identifizieren, das für sie hörbar war.
Zurück im Unterrichtsraum berichtet jede*r kurz über das leiseste Umweltgeräusch, das sie/er wahrgenommen hat, und wie es sich auf sie/ihn ausgewirkt hat.
Anschließend erstellen wir gemeinsam die umfassendste mögliche Liste der fünfminütigen Klangszene, basierend auf den Erinnerungen aller.
Dann hören wir die Aufnahme der fünf Minuten an, um sie mit unseren kollektiven Eindrücken zu vergleichen.
Der erste Workshoptag endet mit einer Diskussion über Erinnerung, Überraschung und emotionale Bindung an akustische Ereignisse.
Hausaufgabe
Bildet Zweiergruppen mit einer*m anderen Teilnehmenden und erkundet gemeinsam eure Umgebung. Sucht einen Ort mit einer besonders interessanten Klanglandschaft, die möglicherweise nur zu einer bestimmten Tageszeit auftritt. Nehmt mit einem hochwertigen tragbaren Aufnahmegerät einen dreiminütigen Ausschnitt dieser Klangszene auf.
Zu Hause hört ihr euch die Aufnahme an und notiert schriftlich alle akustischen Ereignisse. Anschließend ladet ihr sowohl die Aufnahme als auch die Beschreibung auf das gemeinsamen Drive hoch.
Vor der nächsten Sitzung hört ihr euch gemeinsam mit eurem Partner die Klanglandschaften aller Gruppen an und lest die jeweiligen Beschreibungen. Wählt eine Szene aus, die euch besonders interessiert. Gemeinsam bereitet ihr eine dreiminütige Präsentation vor, in der ihr beschreibt, wie ihr die Szene wahrnehmt und warum sie euch fasziniert. Dabei sollt ihr sowohl kontinuierliche als auch diskrete Klänge besprechen.
Zur Vorbereitung auf die nächste Sitzung lest ihr die folgenden Kapitel aus The Soundscape von Raymond Murray Schafer (Destiny Books, 1. Oktober 1993, ISBN-10: 0892814551, ISBN-13: 978-0892814558): Teil 1, Kapitel 1–4, sowie Teil 4, Kapitel 14.
Zweiter Tag – 3 Stunden
Die Teilnehmenden präsentieren in Zweiergruppen ihre ausgewählte Klanglandschaft aus den aufgenommenen Szenen. Die „Autor*innen“ der jeweiligen Klanglandschaft haben anschließend einen kurzen Moment, um auf die Präsentation zu reagieren.
Danach folgt eine gemeinsame Diskussion über den Text von Murray Schafer.
Der Workshop endet mit einem zweiten Gruppen-Soundwalk. Dabei konzentrieren wir uns auf die Ursachen der Klänge und unsere soziale Bewertung: Was empfinden wir als „störend“, „akzeptabel“ oder „attraktiv“?
Lernziele:
Die bewusste Wahrnehmung und Wiederverbindung mit unserem Hörsinn fördern.
Ein Verständnis dafür entwickeln, dass wir Teil einer komplexen Klangumgebung sind.
Unsere Verantwortung für die Gestaltung und Wahrnehmung der urbanen Klanglandschaft reflektieren.
Idealerweise sind die Aktivitäten auf zwei Tage verteilt, der Workshop kann jedoch auch an einem einzigen Tag durchgeführt werden.
Die Teilnehmenden sollten ein Notizbuch und einen Stift mitbringen.